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[Self-Hosting Teil 3] Mein PC, überall: Wie ich seit Jahren von jedem Rechner der Welt auf meinen Desktop zugreife

Ich arbeite seit Jahren an wechselnden Standorten. Als Dozent, als Freelancer, mal bei diesem Auftraggeber, mal bei jenem. Die Technik vor Ort ist immer dieselbe Geschichte: Ein Arbeits-PC, auf dem man kein Admin ist. Eine Handvoll vorinstallierter Programme. Kein Zugriff auf eigene Software, keine Möglichkeit, irgendetwas zu installieren. Und ein Netzwerk, das einem gerade genug Freiheit lässt, um E-Mails zu verschicken und im Intranet zu arbeiten.

Zu Hause steht dagegen ein Rechner, auf dem alles läuft. Meine Projekte, meine Programme, meine Dateien, meine Rechenleistung. Videoschnitt, Bildbearbeitung, Entwicklungsumgebungen — alles eingerichtet, alles griffbereit. Nur eben nicht da, wo ich gerade sitze.

Dieses Problem beschäftigt mich seit 2018. Länger als jedes andere IT-Thema, das ich in dieser Serie bisher beschrieben habe. Paperless, Pi-hole, Immich — alles kam später. Die Frage, wie ich meinen Heim-PC von überall erreiche, war der eigentliche Anfang. Der heilige Gral, wenn man so will: nicht irgendein spezifisches Tool, sondern das Grundgefühl, dass mein Rechner immer da ist, wo ich bin.

Die ersten Versuche

Manche Arbeitgeber ließen Windows Remote Desktop offen. Das war der einfachste Weg — RDP-Verbindung zum heimischen PC, fertig. Funktionierte, war aber langsam. 15 Bilder pro Sekunde, spürbare Verzögerung bei jedem Mausklick, und an flüssige Videos oder gar Spiele war nicht zu denken. Für reine Textarbeit ging es. Für alles andere nicht.

Also suchte ich weiter. Parsec war der nächste Kandidat — eine Remote-Software, die ursprünglich für Gaming entwickelt wurde und deswegen deutlich niedrigere Latenzen hatte als RDP. Das Beste daran: Es gab eine Portable-Version. Die passte auf einen USB-Stick, und man konnte sie starten, ohne irgendetwas auf dem Arbeits-PC installieren zu müssen. Einstecken, starten, verbinden.

Das funktionierte erstaunlich gut. Plötzlich konnte ich nicht nur unterwegs arbeiten, sondern abends auch mal in ein Spiel abtauchen — Red Dead Redemption 2 oder Elite Dangerous, gestreamt vom heimischen Rechner auf den Laptop, egal wo ich gerade übernachtete. Das klingt nach einer Spielerei — war es vielleicht auch —, aber es zeigte mir, wie gut eine Remote-Verbindung sein kann, wenn die Latenz stimmt.

Das Katz-und-Maus-Spiel

Natürlich hatte die Sache einen Haken. In vielen Gast- und Firmennetzwerken sind aus guten Gründen nur die üblichen Ports offen — und Parsec nutzt eben unübliche. Irgendwann stand ich also wieder da: Verbindung fehlgeschlagen.

Die Lösung: Parsec im Browser. Andere Ports, anderer Weg, aber deutlich höhere Latenz. Für Grundlegendes reichte es, aber das Gefühl, zu Hause zu sein, war weg.

Also der nächste Schritt: Moonlight. Ein Open-Source-Client, der Nvidias GameStream-Protokoll nutzt und eine beeindruckend niedrige Latenz bietet. Moonlight funktionierte hervorragend. Fast verzögerungsfrei, selbst bei schnellen Spielen flüssig, und auch für Videoschnitt und Bildbearbeitung eine Wohltat, weil man die volle Rechenleistung des Heim-PCs nutzen konnte, ohne Programme auf dem Arbeitsrechner installieren zu müssen.

Es gab Phasen, in denen ich bei manchen Auftraggebern wirklich das Gefühl hatte, an meinem heimischen Schreibtisch zu sitzen. Ein kleinerer Bildschirm, ja — aber alles andere war da. Meine Dateien, meine Programme, mein Desktop. An laufenden Projekten weiterarbeiten, an einem Videoschnitt anknüpfen, ohne irgendetwas umständlich synchronisieren zu müssen.

Was nie richtig funktionierte

Aber es blieb eine Bastelei. USB-Stick vergessen? Keine Portable-Version. Anmeldedaten nicht parat, weil sie im Profil der Portable-Installation gespeichert waren? Pech. PC zu Hause nicht an, weil das Wake-on-LAN-Paket mal wieder nicht durchkam? Dann saß man vor dem Arbeitsrechner und konnte nichts machen.

Und da war ein Problem, das ich erst viel später wirklich verstanden habe: Für die meisten dieser Lösungen musste ich Ports an meinem Router offen haben. RDP, Moonlight — irgendetwas musste von außen erreichbar sein, damit die Verbindung zustande kam. (Parsec ist die Ausnahme: Es vermittelt die Verbindung über die Server des Anbieters — dafür hängt man eben an fremder Infrastruktur.) Ich hatte jahrelang offene Ports in meinem Heimnetzwerk, ohne mir darüber Gedanken zu machen. Wer weiß, wie Port-Scans funktionieren und wie schnell automatisierte Angriffe offene Dienste finden, der versteht, welches Sicherheitsrisiko ich damit eingegangen bin. Im Grunde hatte ich jedem, der es darauf anlegt, eine Einladung in mein System ausgesprochen.

Die Lösung: Moonlight Web hinter Cloudflare

Und dann kam Moonlight Web. Selbst gehostet, hinter einem Cloudflare-Tunnel.

Das Prinzip: Auf meinem immer laufenden Mini-PC (bekannt aus den anderen Teilen dieser Reihe) läuft Moonlight Web — erreichbar über meine eigene Domain und abgesichert per Cloudflare Zero Trust mit Einmal-Codes. Kein Port-Forwarding, kein DynDNS, kein offener Port am Router: Der gesamte Datenverkehr läuft durch einen verschlüsselten Cloudflare-Tunnel und ist von außen ganz normaler HTTPS-Verkehr. Im Heimnetz spricht Moonlight Web dann mit meinem Gaming-PC, auf dem Sunshine läuft — der Open-Source-Streaming-Host, der Bild und Ton liefert.

Ich öffne einen beliebigen Browser. Egal wo, egal auf welchem Rechner. Tippe meine Domain ein. Und da ist mein Desktop. Vollbild, minimale Latenz, alle Tasten werden erkannt, Direct Mode. Vom Laptop im Zug, vom Hotelzimmer aus, von jedem Browser, der mir gerade zur Verfügung steht. Kein USB-Stick, keine Installation, keine Anmeldedaten, die irgendwo auf einem fremden Rechner liegen.

Und ich kann meinen PC von dort aus aufwecken: Der Mini-PC ist ja ohnehin immer an — er hält den Tunnel offen und schickt auf Knopfdruck ein Wake-on-LAN-Paket an den schlafenden Gaming-PC. Zuverlässig, jedes Mal.

Und es muss nicht mal mehr ein PC vor Ort sein. Im Hotel reicht mein Handy: USB-C-auf-HDMI an den Hotelfernseher, eine Bluetooth-Tastatur dazu, und ich arbeite genauso produktiv wie zu Hause. Maus und Tastatur für Arbeit, Controller für danach — und plötzlich spiele ich Red Dead Redemption 2 auf einem Hotelfernseher in irgendeiner Stadt, gestreamt von meinem Rechner zu Hause, als säße ich davor. Alles, was man braucht, passt in eine Hosentasche.

Was sich verändert hat

Der Unterschied zu vorher ist nicht inkrementell — er ist fundamental. Ich hatte jahrelang eine Bastellösung, die mal funktionierte und mal nicht, die auf USB-Sticks und offenen Ports basierte und bei der ich nie sicher sein konnte, ob die Verbindung heute klappt.

Jetzt habe ich einen Browser-Tab. Einen einzigen. Und dahinter meinen kompletten Desktop, meine komplette Arbeitsumgebung, meine komplette Rechenleistung. Ohne ein einziges Loch in meiner Firewall.

In den anderen Teilen dieser Serie habe ich über Paperless, Pi-hole und bald auch über Immich geschrieben. Alles großartige Projekte, alle haben mir konkrete Probleme gelöst. Aber wenn mich jemand fragt, welches Self-Hosting-Projekt den größten Unterschied in meinem Alltag gemacht hat, ist es dieses hier. Nicht weil es das technisch anspruchsvollste wäre, sondern weil es ein Problem löst, das mich länger begleitet hat als alles andere: das Gefühl, dass mein Arbeitsplatz an einen physischen Ort gebunden ist.

Das ist er nicht mehr. Mein PC ist da, wo ich bin. Immer.


Henryk Awe - awemedia. In dieser Reihe teile ich meine persönlichen Erfahrungen mit Self-Hosting und Homelab — kein Tutorial, sondern echte Geschichten aus der Praxis.